Smarthome war noch nie so einfach!

Du bist genau die richtige Person für ein Smarthome. Das ist nämlich ein Sammelbegriff, der eigentlich alles bedeuten kann: Deine Tür geht auf, wenn du nach Hause kommst. Das ganze Licht im Raum geht an, wenn du auf den Schalter drückst – auch LED-Streifen oder Regallampen. Dein Zuhause wird gereinigt, wenn du nicht da bist, oder deine Küche zählt mit, wie viele Spülmaschinentabs noch da sind.

Und das Beste: Der Einstieg ist so leicht wie nie. Du kannst auch nicht mehr so viel falsch machen, weil es kaum noch Sackgassen zu kaufen gibt. Ich zeige dir heute, wie und wo du einfach anfangen kannst – dabei werde ich ein paar Dinge vereinfachen, damit du nicht erschlagen wirst. Auch wenn das ein oder andere Smarthome-Experten etwas kalt lässt. Und am Ende sage ich dir noch, wovon du auf jeden Fall die Finger lassen solltest.

Die Smarthome-Zentrale: Kein Drama mehr

Die Frage der Smarthome-Zentrale ist zum Glück nicht mehr besonders zentral. Viele von euch haben schon alles da, was es braucht, um ein zukunftsfähiges Smarthome zu starten:

All diese Geräte unterstützen Matter – den neuen Smarthome-Standard, der ermöglicht, dass Geräte verschiedener Hersteller miteinander sprechen. Und zwar ohne Cloud, sondern mit direkter Kommunikation bei dir zu Hause. Das bedeutet: Das Ganze funktioniert auch dann, wenn das Internet langsam ist oder ausfällt – oder wenn ein Hersteller irgendwann pleitegeht oder keine Lust mehr hat.

Die aufgezählten Geräte unterstützen überwiegend Matter over Thread, einen Funkstandard, über den du dir heute noch keine weiteren Gedanken machen musst. Das Hinzufügen neuer Geräte ist simpel: Du scannst mit der jeweiligen Hersteller-App einfach den QR-Code des neuen Geräts. Bei älteren Matter-Komponenten manchmal zweimal oder dreimal – und nach einem Neustart des Handys klappt es dann spätestens beim vierten Mal. Wenn es einmal läuft, läuft es.

Beleuchtung: Der klassische Einstieg

Das erste Thema, das viele beim Smarthome-Einstieg angehen, ist die Beleuchtung. Und das aus gutem Grund – sie lässt sich am einfachsten umrüsten. Vor allem für alles, was nicht fest am Deckenauslass hängt: Steh- und Tischlampen, LED-Streifen und so weiter.

Du kannst smarte Beleuchtung nutzen, um:

  • Licht automatisch zu schalten
  • besondere Lichtstimmungen herzustellen
  • Benachrichtigungen zu visualisieren – zum Beispiel leuchtet eine Lampe blau auf, wenn der Papiermüll abgeholt wird, es regnen soll oder ein Alarm ausgelöst wird

Wichtig beim Deckenauslass: Wer über den Lichtschalter den Strom trennt, schneidet das Leuchtmittel von der Funkverbindung ab. Das lässt sich lösen – dazu gleich mehr.

Was kaufen?

Wenn du jetzt einsteigst, empfehle ich die Philips Hue Essentials. Dafür brauchst du neben einer der oben genannten Zentralen keine weitere Bridge. Im Viererpack bekommst du die Leuchtmittel schon für rund 15 Euro pro Stück – oder weniger bei einem guten Deal. Und du hältst dir alle Türen für die Zukunft offen.

Wenn du das Licht später mit deinem Fernseher synchronisieren oder andere Sonderfunktionen nutzen möchtest, kannst du einfach die Philips Hue Bridge dazukaufen. Du kannst die Leuchtmittel aber auch dein Leben lang ohne Bridge betreiben.

Smarte Leuchtmittel gibt es zwar schon unter 10 Euro, die sind aber eingeschränkter in der Konnektivität und oft auch schwächer im Licht. Ich persönlich würde mit den Hue Essentials starten – davon gibt es übrigens auch Leuchtstreifen.

Wenn du viele Leuchtmittel, zum Beispiel in einer Einbaudecke, hast, kannst du auch einfach den Lichtschalter smart machen – zum Beispiel mit dem Eve Light Switch. Den habe ich sehr zuverlässig in unserem alten Haus eingesetzt.

Smarte Thermostate: Komfort und Kostenersparnis

Ein Paradebeispiel dafür, wie du mit dem Smarthome bares Geld sparen kannst, sind smarte Thermostate. Hier gilt: Je schlechter dein Zuhause gedämmt ist, desto mehr kannst du damit einsparen.

  • Nicht heizen, wenn du nicht da bist
  • Heizung stoppen, wenn ein Fenster offen steht
  • Temperaturen automatisch je nach Raumnutzung anpassen

Das steigert den Komfort und senkt die Heizkosten. Oft amortisieren sich smarte Thermostate schon nach ein oder zwei Heizperioden.

Empfehlungen

Eve Thermo: Sehr praktisch, weil die Anschaffung des Thermostats im Prinzip alles ist – keine Abos, keine versteckten Kosten. Die Eve App macht die Steuerung einfach und bindet auch Fenstersensoren oder externe Temperaturfühler problemlos ein. Das funktioniert auch mit IKEA-Fenstersensoren – die sind etwas größer und günstiger, erfordern dann aber etwas mehr manuelle Konfiguration.

tado° X: Von der Hardware her ein bisschen schöner, kann grundsätzlich dasselbe. Wenn du die tado° X Thermostate direkt an einer der oben genannten Zentralen anlernst (statt über die tado°-App), bekommst du gar nicht mit, dass tado° versucht, dir Abos aufzudrängen. Einfach ignorieren, selbst in die Hand nehmen – und du kannst gegenüber dem Eve Thermo noch etwas sparen.

Schalten und Walten: Bewegungsmelder, Steckdosen & Co.

Wenn du deine ersten Geräte smart hast, willst du natürlich mehr damit machen als vorher. Zum Beispiel das Licht in Durchgangs- oder Abstellräumen automatisch ein- und ausschalten. Aber Achtung: Das ist ein bisschen wie eine Klobrillenschließ-Automatik – wer sie gewohnt ist, vermisst sie überall sonst.

Bewegungsmelder

Günstig und solide: Aqara P2 oder der IKEA Bewegungsmelder.

Für Räume, in denen du dich länger aufhältst (Wohnzimmer, Kinderzimmer, Bad): Präsenzmelder wie der Aqara FP300, der auf deine bloße Anwesenheit reagiert, auch wenn du dich kaum bewegst. Den Aqara FP2 gibt es auch – der kann dich genauer im Raum verorten, ist aber etwas fummeliger in der Konfiguration und braucht dauerhaft Strom. Für den Anfang nicht unbedingt nötig.

Zwischenstecker

Ideal zum Steuern von Stehlampen mit fest verbautem Leuchtmittel, zum Vorheizen der Espressomaschine per Bewegungsmelder oder einfach zum Schalten beliebiger Verbraucher.

Ein großer Vorteil von Zwischensteckern mit Thread-Unterstützung: Sie erweitern und stabilisieren das Thread-Funknetz in deiner Wohnung. Je mehr solcher Geräte du hast, desto besser wird der Empfang – bis in den Garten. Batteriebetriebene Sensoren profitieren davon besonders.

Aktoren für Unterputzdosen

Etwas anspruchsvoller, aber sehr mächtig: Kleine Aktoren, die zwischen Unterputzdose und Schalter eingebaut werden – am besten vom Elektriker. Damit lassen sich zum Beispiel Rollläden einbinden und trotzdem mit den bestehenden Schaltern bedienen, zusätzlich aber über Zeitpläne oder den Sonnenstand automatisch steuern.

  • Shelly 1 Gen4: Weit verbreitete und beliebte Marke. Die meisten Shelly-Geräte funken aktuell noch über WLAN – das funktioniert, wenn du das WLAN ansonsten von Smart-Home-Geräten frei hältst. Achte beim Kauf auf Generation 4 oder neuer.
  • SwitchBot 1PM: Alternative mit Verbrauchsmessung.

Rollladenschalter

Taster und Fernbedienungen

Bei Matter over Thread ist das Thema Taster und Fernbedienungen gerade noch etwas unbefriedigend – besondere Funktionen wie Drehrädchen lassen sich mit dem aktuellen Stand des Standards nicht gut abbilden.

Aktuell kaum zu schlagen (preislich): IKEA BILRESA – den bekommst du mittlerweile fast umsonst. Für etwas anspruchsvollere Szenarien: Nanoleaf Sense+.

Fenstersensoren

Nützlich für die Heizungssteuerung oder als Benachrichtigung, wenn du das Haus verlässt und noch ein Fenster offen steht:

Weitere Sensoren

Temperatur & Luftfeuchtigkeit

Viele Geräte haben solche Sensoren bereits eingebaut (z.B. HomePods, einige Heizungsthermostate). Zum Nachrüsten:

CO₂

CO₂-Sensoren benachrichtigen dich, wenn es Zeit ist zu lüften – sinnvoll für Schlaf- und Arbeitszimmer.

Wassersensoren

Meine Empfehlung: An allen Wasserstellen im Haus einen Wassersensor auf den Boden legen – unter der Waschmaschine, unter dem WC, unter der Spülmaschine. Lieber einmal zu viel als gar nicht.

Überwachungskameras

Kameras befinden sich gerade mitten in der Integration in den Matter-Standard – Aqara hat zum Beispiel auf der CES 2025 eine entsprechende Kamera angekündigt. Je nachdem, wann du das liest, kann sich hier schon einiges getan haben.

Grundsätzlich:

  • Reolink: Sehr offen, keine aufdringlichen Cloud-Angebote
  • Aqara Kameras: Einfachere Integration in Apple Home

Das Thema Kameras verdient in einigen Monaten sicher noch ein Update – zur IFA oder zu Weihnachten dürften neue Matter-fähige Modelle auf den Markt kommen.

Smartes Türschloss: Ein Muss

In meinen Augen eines der wichtigsten Smart-Home-Geräte überhaupt. Niemand will im Jahr 2026 noch einen Schlüssel mitschleppen.

  • Nuki Smart Lock: Mein persönlicher Favorit – universell einbindbar, kein Pflicht-Account, Zahlencode für Gäste, gutes Ökosystem (Keypad, Fingerabdrucksensor, Türöffner). Als österreichisches Unternehmen hat Nuki bei Datenschutz-sensiblen Nutzern oft einen Vertrauensvorsprung.
  • Aqara Smart Lock: Günstiger, aber klobiger und aktuell ohne Auto-Unlock-Funktion (automatisches Öffnen beim Nähern). Laut Gerüchten gibt es Betas – zum Zeitpunkt deines Lesens kann sich das bereits geändert haben.
  • Yale Linus L2: Matter over Thread, bedenkenlos nutzbar
  • Tedee GO 2: Hängt bei mir in der Garage, ebenfalls mit Matter over Thread

Welches Modell du auch wählst: Nutze ein Smart Lock. Deine Lebensqualität wird steigen.

Wovon du die Finger lassen solltest

Ältere Generationen beim Gebrauchtkauf

Achte beim Kauf gebrauchter Komponenten darauf, dass es sich um aktuelle Generationen handelt. Ältere Geräte funken häufig noch über Zigbee und nicht über Thread – dann brauchst du eine zusätzliche Bridge und alles wird komplizierter.

Hersteller mit zweifelhafter Datenschutz-Bilanz

Ring: Gerade bei Kameradaten solltest du sehr genau hinschauen. Ring hatte in der Vergangenheit auffällig viele Datenschutzvorfälle und hat zumindest in den USA Kameraaufnahmen sehr frei an Behörden weitergegeben. Kameradaten sollten lokal liegen – und wenn in die Cloud, dann nur verschlüsselt.

Netatmo: Hat in der Vergangenheit viel angekündigt und dann wenig davon geliefert. Mein Vertrauen ist dort gebrochen. Generell gilt: Kauf nichts wegen angekündigter zukünftiger Updates.

Belkin (Wemo): Nicht mehr wirklich aktiv im Smart-Home-Markt, aber ein mahnendes Beispiel: Produkte wurden sehr kurzfristig eingestellt, die Server danach sofort abgeschaltet. Genau deshalb ist es so wichtig, dass alle Kernfunktionen deines Smarthomes lokal ablaufen – dann kann dir sowas nicht passieren.

Weitere Funklösungen, die du meiden solltest

  • WLAN-Leuchtmittel (wenn vermeidbar)
  • Proprietäre Lösungen wie 433-MHz-Funk, Z-Wave ohne Matter-Bridge oder andere exotische Standards

Wenn du später auf eine leistungsfähigere Zentrale wie Home Assistant umsteigen möchtest – und das passiert vielen – wirst du froh sein, wenn du dich heute schon an offene, zukunftssichere Standards gehalten hast.

Fazit: Einfach anfangen

Der Appetit kommt beim Essen – das gilt beim Smarthome ganz besonders. Fang mit den Dingen an, die ich genannt habe. Du wirst schnell merken, welche Automatisierungen deinen Alltag wirklich verbessern, und dann wächst das System ganz von selbst.

Schreib mir unter dem verlinkten Video in die Kommentare, was für Fragen du zum Thema Smarthome hast und was ich noch mal im Video aufrollen sollte. Und abonniere den Kanal, damit du keine weiteren Folgen verpasst – unter anderem meine Videoreihe Menschen, Tiere, Automationen, in der ich zeige, was Zuschauer mit dem ganzen Zeug bei sich zu Hause gebaut haben. Manchmal sehr simpel, manchmal totale Eskalation.